Atatürk aus meinem Fenster

Zum Gedenktag des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk möchte ich ihn aus meinem Fenster beschreiben.

Die heutige Türkei ist, wenn man die kleinen Randgruppen vernachlässigt, in zwei Lager gespalten. In dem einen Lager sitzen die orthodoxen Muslime und demgegenüber steht das säkular getragene Lager. Spätestens seit dem 18 Jahrhundert (Patrona Halil Aufstand-Druckpresse) existiert ein erbitterter Kampf zwischen diesen Lagern. Der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen Getöse ist hierbei die Anwendung der Religion im öffentlichen Leben.  Die Ausübung der Religion im öffentlichen Leben wird aber nicht nur von dem Tragen eines Kopftuches bestimmt. Die fundamentalistisch, orthodoxe Haltung wird sehr gut in der heutigen Regierungshaltung deutlich.

Zunächst wurden seitens der Regierung die universellen Freiheitsrechte in Anspruch genommen, um verwehrte Rechte, wie z. B. das Tragen eines Kopftuches an Hochschulen, zu erhalten. Das die Menschenrechte für die Regierung nicht als Rechtsgrundlage dient, sondern dem einzigen Ziel, der Umsetzung der orthodoxen Ideologie dient wurde klar, als die Freiheitsrechte anderer durch staatliche Hand geschnitten wurde. Seitdem haben viele Menschen ihre Lebensgrundlage aufgrund ihrer politischen Haltung, dem Decolleté ihrer Kleidung oder anderen, den „islamischen Werten“ entgegenstehenden Gründen verloren. Andere haben gar ihr Leben verloren.

Diese Geisteshaltung steht somit jedem individuellem Lebensstil, jeder Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung entgegen. Es ist jedoch bei weitem nicht so extrem wie es im 20. Jahrhundert der Fall war. Denn in der heutigen Zeit, in dem das Internet  als Medienkraft vorhanden ist, wirkt sich diese Kraft, mit dem Mittel des Gesichtsverlust auf dem internationalen Parkett als Handlungsschranke, die die Regierenden von größeren Dummheiten zurückhält.

Mustafa Kemal lebte im 20. Jahrhundert. In einer Zeit, in dem die Geisteshaltung ohne Schranken in ganzer Wucht wüten und toben konnte. Die Bevölkerung ließ sich von seinen Dorfpredigern aufstacheln. Zu was ein dermaßen aufgestachelter Mob, ungehindert der Schranken imstande ist, wurde uns im Jahr 1993 in Sivas vor Augen geführt . Atatürk sah nun  die Früchte der Aufklärung im Westen auf der einen Seite und blickte auf die mehrheitlich orthodoxe Geisteshaltung in seinem Land, auf der anderen Seite. Getrieben von dem Willen, das Land auf einen aufgeklärten, modernen Stand zu bringen brachte er, entgegen  großen Widerständen, viele fortschrittliche Reformen über Nacht durch. Aber der Kampf währt noch heute und wird solang die moderaten Stimmen im orthodoxen Islam nicht die Oberhand gewinnen noch weiter währen.

Aus diesem Fenster sehe ich Atatürk.

In diesem Sinne, euch einen schönen 10. November.

Euer Ömer

ataturk-kitap

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