Die Durchquerung des Nebels 

Nach einer langen Wanderung stehen zwei am Gipfel eines Berges und erwarten als Belohnung für ihre Strapazen einen herrlichen Ausblick, den Sonnenaufgang. Während es für den einen bei einem hübschen Ausblick bleibt (der Realist), berührt das Phänomen den anderen doch etwas tiefer (der Romantiker). Über diese Zwei will ich heute ein paar Worte verlieren.
Das Leben in all seiner Wirklichkeit und seinen Phänomenen scheint für uns wie ein milchiger Nebelbrei zu sein, der hier und da Lücken aufweist und einen tieferen Blick gestattet. Im Umgang mit diesem Brei unterscheiden sich die Realisten von den Romantikern. Betrachten wir zunächst den Realisten.

Der Realist durchquert den Nebel mit Hilfe seines Intellekts. Er ist nach den Lichtungen im Nebelbrei aus und erkennt anschließend in und zwischen den Lichtungen Muster und Verhältnisse, Hierarchien und Kategorien. Sobald die Beziehungen zwischen den Mustern stehen, prasseln schon auch die ersten Hypothesen ein. Er ordnet alsbald seine Hypothesen in einem schier unaufhörlich langem Kategorienarchiv in verschiedenen Fächern unter und glücklich über verrichtete Dinge, zieht er Schlüsse, Konsequenzen und fühlt sich, bestätigt durch die Erklärung, als Herr über die immanente Nebellücke. Der Sonnenaufgang, nun an dieser Stelle exemplarisch für die Nebellücke, ist für ihn das periodische Verhalten eines Gestirns, dessen sich wellenförmig ausstrahlende Lichtstrahlen, aufgrund des flachen Einfallwinkels durch die Streuung an den Luftteilchen, ein langwelliges Lichtspektrum ergeben.
Was Ihm hierbei entgeht wird zu den Fundamenten des Romantikers. Dieser wehrt sich gegen eine rationale Betrachtung aus Sorge, jede Erklärung würde dem Nebel in seiner Wirklichkeit eh nicht genügen und als wäre das schon nicht genug, wäre dem Nebel durch die rationale Erklärung der Nebellücke ein Stück Tiefe entraubt worden und so genießt er den Sonnenaufgang und die sich dabei ergebenden Lichtspiele als ein künstlerisches und harmonisches Erzeugnis der Natur ohne sich je mit der Kausalkette beschäftigt zu haben.

Das Ende der Betrachtung nimmt nun ein weiterer Schlag Mensch ein, der nun ausgedacht werden kann, als denjenigen, der sich dem rationalen Erkenntnisprozess widmet und hierbei die romantische Sicht, die künstlerische Tiefe beibehält. So gewinnt er fortlaufend neue Möglichkeiten, die ihn ins Erstaunen versetzen und die ihm Ehrfurcht vor dem kreativen Schaffen der Natur bieten.

orion-nebel-noao
Der Orionnebel [Quelle: http://br-online.de%5D

Euer Ömer

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