Mein Unterarm 

Liegend auf dem Boden sehe ich wie meine Finger den Kugelschreiber eng umschließend festhalten und die Spitze des Schreibers über das reine Weiß, die das Blatt Papier sein eigen nennt, gleitend streicht und darauf blaue Zeichen hinterlässt. Währenddessen geht mein Lautsprecher mit Charles Aznavours “ la boheme“ einen Duett ein und trägt seinen Teil, als markantes Rauschen im Hintergrund, bei. Der Rythmus samt des Rauschens erfasst mich und schwingt mein Gemüt in einen träumerisch, melancholischen Zustand.
Beim Schreiben sehe ich wie mein Unterarm mit seinem ganzen Gewicht vom Boden getragen wird. Noch nie habe ich mir mein Unterarm näher angeschaut. Meine Augen, meine Nase, die Lippen und selbst die entlegensten Stellen waren bisher Wert zigmillionenfach betrachtet zu werden. Der Unterarm jedoch wurde bisher stets Stiefmütterlich behandelt. Das soll sich jetzt ändern.Wissenschaftlich vorgehend, will ich zunächst das zu Untersuchende vom Rest trennen. Ich suche daher die Grenze zwischen Arm und Boden und sehe hierbei die Form dieses Fleischklumpens. Eine interessante Feststellung dringt sich mir ein: Die Grenze zwischen meinem Arm und der Umgebung diffundiert nicht, sondern hört abrupt mit einer scharfen Umrandung auf. Ich hingegen habe das Gefühl, das mein Unterarm mit dem Boden ineinander verschmolzen ist. Das sie ineinander eindringen. Mit geschlossenen Augen müsste ich tatsächlich die Grenze erst abtastend feststellen. Sehend erkenne ich hingegen, das mein Arm farblich und in der Form sich von seiner Umgebung unterscheidet.

Form und Farbe in der Wirkung auf  das sehende Ich und die Verarbeitung des Gesehenen durch das erkennende Ich.

Die Welt bietet einiges, die eines genaueren Blickes würdig sind, wenn die Könige der Aufmerksamkeit, die Haare, die Augenbrauen, die Figur in ihrer unersättlichen Gier zurechtgewiesen werden. Der Blick sich somit aus der Perspektive der Eitelkeit entfernt und das betrachtete Etwas, sich offenbart.

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