Apokalypse

Die Dunkelheit verflüchtigt sich und ein Hell nimmt diese Stelle ein. Aus dem Hell wird nach und nach Farbe und verschwommene Form.  „Wo bin ich hier“, frage ich mich. Meine Blicke hin und her werfend. Ich liege eingeengt und bin umgeben von etwas, das mich vollständig einhüllt. Die Luft hier gefällt mir nicht. Ich will hier raus, aber zuerst muss ich die Situation erfassen. Zuerst verstehen.

Das Etwas in dem ich mich befinde ist leicht transparent und schmiegt sich sehr gut meinem Körper an.  Meine Blicke schweifen jetzt auf meinem Körper.  Ich sehe vier lange Beine, die sich ziemlich kräftig anfühlen und zwei Arme. Ich strecke sie allesamt aus und drücke dabei auf die Hülle. Ich spüre, dass an meinem Körper noch mehr ist. Auf meinem Rücken besitze ich etwas, das eine gewaltige Kraft auszusetzen vermag, aber mehr kriege ich gerade nicht in Erfahrung.
„Mal sehen wie viel Kraft in diesem Körper steckt.“  Ich habe vor die Hülle, die mich umgibt aufzureißen. Ich lehne mich zurück und Drücke mit voller Kraft mit Armen und Beinen gegen die Hülle und drücke instinktiv das Etwas auf dem Rücken auseinander. Mit einem tiefen Schrei, aus dem innersten meines Körpers bis ein Knacks in meinem Ohr tönt.
Die Hülle hat einen Riss. Mit hochgerissenen Augen und einem wild klopfenden Herz spüre ich die frische Luft, die einströmt. Ich drücke weiter dagegen und die Helligkeit wird zu einem Grell, das meine Augen blendet, um dann nach einer Weile in einem Farbencocktail zu münden. Ein zauberhaftes Panoramabild liegt vor mir: Ein unendlich weites hellblau, beschmückt mit weißen Tupfern, das dann zu einem satten Grün übergeht. Mit einem grazilen Schwung wende ich mich und wippe mich einen Moment
auf meinen Beinen. Ich verspüre die gewaltige Kraft auf dem Rücken. Ich bewege das Etwas auf dem Rücken und plötzlich wirbelt sich die Luft um mich herum, so stark,
dass riesige Graßhalme sich vor mir beugen, kleine Erdstückchen um mich herum werden in die Luft gerrissen. Was zum Teufel trage ich da auf meinem Rücken? Es sind Flügel!  Jetzt noch einmal die Flügel schlagen, aber diesmal etwas länger. Die Luft um mich herum tost und plötzlich, unbeschreiblich, meine Beine berühren keine Erde mehr. Ich Fliege!
Ich ändere die Richtung meiner Flügel und bewege mich nach vorne, nach hinten, komme immer höher und höher. Die Grashalme werden kleiner, die Tiere in meinem Umfeld verschwinden aus meinem Blickfeld. Mir kommt ein Brummen ins Ohr. Zunächst ganz leicht, dann wird es lauter und später wieder leiser. Es ist an der Zeit die Welt zu erkunden. Ich orte die Richtung der Geräusche und mache mich auf den Weg. Das Farbspiel hat sich gerade verändert. Es ist ein langgezogenes Grau zwischen den Feldern aufgetaucht. Ich möchte mir die Sache genauer anschauen und schwebe jetzt über dem Grau.

Es fühlt sich hier alles unerträglich warm an. Mir ist nicht ganz wohl hier.
Die Luft ist nicht ruhig. Sie schaukelt mich hin und her und ich habe es schwer das Gleichgewicht zu halten. Ich bemerke in der Ferne ein rotes Etwas auftauchen, das den Lärm von vorhin verursacht hat. Es ist wohl ein anderes Tier. Der Lärm, dass das Tier verursacht, wird immer lauter und setzt mir zuzüglich zu der sengenden Hitze zu.
Ich bin nervös und mein Magen dreht sich. Ich will weg von hier. Ich fühle, dass ich in einem Schlammassel stecke. Ich weiß nicht was ich tun soll,  das Ding ist inzwischen riesig geworden. Ich erkenne, dass ich ihm nicht mehr ausweichen kann. Wie konnte das passieren. Wieso? Keiner kann mir helfen. Es kommt mit Gebrüll und Getöse. Ich schwebe an der Stelle, nicht mehr fähig zu denken und tauche in eine andere Wirklichkeit ein. Die Zeit schlägt jetzt langsamer und alles Sein türmt sich in seiner Existenz auf, wird übergroß. Eine Wirklichkeit, das ich nur wahrnehmen kann. Der Verstand hat sich wie ein Kleinkind, das Angst vor der Dunkelheit hat, vor der Größe der Wirklichkeit versteckt. Das Tier ist inzwischen sehr nah an mir. Ich erkenne auf einem leicht transparenten Feld einen grausamen Anblick. Regungslos blicke ich auf ein Massaker. Tote Tiere auf dem Feld, riesige Blutflecken, Körperteile, Kleinkinder, Alte, Brüder, Schwestern, Mücken, Schmetterlinge. Es ist die Apokalypse. Ich bin kurz davor ein Teil des Feldes zu sein. Plötzlich sehe ich durch das Feld hindurch.

Riesige, behaarte Wesen mit riesigen Köpfen. Götter wohl. Ich verstehe. Es ist Weltuntergang.

Die Götter haben die Apokalypse ausgerufen.

 

 

redblue
Rot-Blau, aus dem Netz

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